Fußballer gehen freiwillig ins Gefängnis
DIEBURG. Am Samstag gingen viele Männer freiwillig in den Knast. Sie starteten
beim alljährlichen Fußballturnier, bei dem Hobbyteams gegen Mannschaften von Häftlingen
antreten. Sechs Stunden lang ging es hoch her auf dem Sportplatz im Zentrum der
Justizstrafvollzugsanstalt Dieburg. Eine schweißtreibende Angelegenheit bei 35
Grad im Schatten. Die rund 100 fußballbegeisterten Gefangenen kicken für den
Sportverein Altstadt, der somit ein nicht alltäglicher Verein ist. Gegründet
hat ihn im vergangenen Jahr Stefan Böttcher. Er ist Sportübungsleiter in der
JVA.
Gegen die Gefangenen spielten neun Hobbyteams aus Dieburg und den umliegenden
Ortschaften. Erstmalig trug die Veranstaltung den Namen „Werner-Hild-Gedächtnis-Turnier“;
er war der Gründer des Sportfestes. „Es war ein faires Miteinander“, lobten
die Schiedsrichter Jens Dörr und Wilfried Wick die Spieler, die bei brennender
Sonne auf dem Kleinspielfeld ihr Bestes gaben. Berührungsängste gebe es keine,
meinten die Spieler. „Ganz im Gegenteil“, sagte Böttcher, „die
Hobby-Mannschaften rufen mich an und fragen nach dem nächsten Termin für das
Turnier“.
Angefeuert von ihren Mitinsassen, lagen die drei Mannschaften des SV Altstadt
zunächst vorne. Eine großartige Stimmung herrschte im Innenhof der JVA, an
deren einer Seite der Hähnchengrill dampfte und der anderen die Jail-Rocker,
eine „internationale“ Gefängnis-Band, für einen mächtigen Groove sorgte,
der durch den Hall gegen die turmhohen, mit Stacheldraht gesicherten Mauern noch
verstärkt wurde. Souverän fungierte Bruno Hassler als „Stadionsprecher“
und begrüßte einige Vertreter aus Politik und Kirche. Inge Growe-Zenz, die
Leiterin der JVA, freute sich über das sportliche Engagement der Spieler und
sagte: „Das Turnier heute hat einen zentralen Stellenwert, sich mit anderen
Mannschaften messen zu können. Sport ist sehr wichtig für die Häftlinge.“
Das weiß auch Böttcher, der sich beherzt für „seine Jungs“ einsetzt.
Mittlerweile gibt es hier noch das Angebot Volleyball und einen Kraftraum, zudem
noch Yoga, das Antje Müller einmal in der Woche gibt, und Tischtennis. Trainer
ist hier Christian Kreher. Er spielt sogar, wenn auch immer „zu Hause“, mit
seiner Mannschaft in der Verbandsrunde dritte Kreisklasse. Böttcher sieht mit
Bedauern, dass es kaum öffentliches Geld gebe zur Anschaffung von Sportgeräten.
Finanziert werden sie von den monatlichen Mitgliedsbeiträgen, rund 200 Euro,
oder auch Sponsoren. Dass der Sport das Klima positiv beeinflusst, meint auch
Christian Schemainsky. Er sei „Bürgermeister im Knast“, meinte er
belustigt, als Vorsitzender der Interessenvertretung der Gefangenen. Er kümmert
sich um alle Belange der Mitinsassen und kooperiert mit der JVA-Leitung und dem
Anstaltsbeirat.
Schon die ganze Woche stand im Zeichen des Sports. So wurden einzelne Häftlinge
für ihre Leistungen im Kraftdreikampf, Tauziehen oder dem 5000-Meter-Lauf, das
sind 22 Runden um ein JVA Gebäude, geehrt. Bruder Paulus Terwitte honorierte
die Sieger des Fußballturniers. Den Wanderpokal erhielten die „Soccer
Soldiers“, den zweiten Platz erspielte der „SV Altstadt I“, gefolgt von
„Erfrischend Defensiv“. Vierter wurde das Team „Kleine Glocke“.
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Finale um ein Uhr nachts
Fußballer des ED Dieburg
richteten zum ersten Mal ein „Mitternachtsturnier“ aus.
(jd) Die Sonne war schon längst untergegangen, als es im
Schlossgarten erst richtig losging: Zu sehr später
beziehungsweise sehr früher Stunde tummelten sich am vergangenen
Samstag etwa 80 Hobby-Fußballer auf dem Sportplatz neben dem
Schwimmbad und ermittelten den Sieger des ersten
„Mitternachtsturniers“ des FV Erfrischend Defensiv
Dieburg.
Die Premiere darf durchaus als gelungen bezeichnet werden: Keine Verletzten, sommerliche Temperaturen bis in die Morgenstunden hinein und als Beigabe der Sieg der Fußball-Nationalmannschaft im Spiel um Platz drei gegen Portugal, den die Freizeit-Kicker auf einem allerdings etwas klein geratenen Fernseher am Sportplatz mitverfolgen konnten.
Im Mittelpunkt stand nichtsdestotrotz die eigenen Kickerei: In zwei Fünfer-Gruppen kämpften die Mannschaften zunächst im Modus „Jeder gegen jeden“ – der Erst- und Zweitplatzierte jeder Gruppe zog ins Halbfinale ein. Dies gelang Team eins von Gastgeber ED Dieburg, dem FC Grashubbers Dieburg, der „Bomber-Elf“ aus Rodgau und den „Treuen Heinern“, einem Fanclub des SV Darmstadt 98.
Insgesamt problemlos setzte sich im ersten Spiel der Vorschlussrunde Erfrischend Defensiv Dieburg gegen die „Bomber-Elf“ durch und zog damit ins Endspiel ein. Dramatischer ging es im zweiten Halbfinalspiel zu, in dem Lokalmatador Grashubbers Dieburg buchstäblich in der letzten Sekunde der regulären Spielzeit den 1:1-Ausgleich kassierte und im darauf folgenden Strafstoß-Schießen den bereits sicher geglaubten Finaleinzug verspielte. Zumindest im Spiel um Platz drei machten es die Grashubbers dann besser und gewannen wie zwei Stunden zuvor der FC Klinsmann das „Kleine Finale“.
Im „echten“ Endspiel des Tages – eigentlich war schon ein neuer angebrochen, denn das Finale wurde um ein Uhr morgens angepfiffen – standen sich dann ED Dieburg und die „Treuen Heiner“ gegenüber. Der Gastgeber verteilte auch an die Lilienfans keine Blumen und gewann schließlich mit 3:1 verdient sein eigenes Turnier.
„Wir wollten mit dem ´Mitternachtsturnier` etwas Neues ausprobieren und den FV Erfrischend Defensiv Dieburg weiterhin als umtriebigen Dieburger Verein präsentieren“, resümierte EDDler Matthias Hartnagel nach dem Turnier.
Jens Dörr, Juli 2006